Wie Kinder lernen zu teilen

Wie Kinder lernen zu teilen

Letztens habe ich etwas ganz Wertvolles gelernt, das ich euch unbedingt in diesem Blogbeitrag weitergeben möchte. Jeder kennt diese eine Situation, in der das eigene Kind das geliebte Spielzeug nicht mit anderen teilen möchte. Erst vor kurzem wollte meine vierjährige Tochter ihren Schwimmreifen im Freibad nicht an ein kleines Baby abgeben, welches damit nur kurz spielen wollte. Leider war ich peinlich berührt und wusste nicht, wie ich richtig reagieren soll, weshalb mich dieses Thema etwas beschäftigt hat.

Sei’s im Schwimmbad, auf dem Spielplatz, beim Kindergeburtstag oder als Heimspiel zu Hause. Sprich immer dann, wenn man die einfache Erwartung hat, dass sich das Kind anständig verhalten, von seiner besten Seite zeigen und nach den Weisheiten von Gandhi oder Nelson Mandela leben soll: Es passiert. Immer und immer wieder. Dein Kind will einfach nicht teilen.

Also was ist los, wenn Kinder nicht teilen und gibt es einen Weg, wie Kinder das Teilen lernen können?

Wenn wir uns beispielsweise in eine Situation im Sandkasten begeben, in der Kinder nicht mit anderen ihr Sand-Spielzeug teilen möchten, dann fällt auf: Es ist nicht nur das Geheule der enttäuschten Kinder, welche am Spielzeug des anderen nicht teilhaben dürfen, sondern auch die Blicke der Eltern, die die Stimmung schärfen. Du spürst ihren Ärger, egal wie sehr sie dich anlächeln und den Konflikt überspielen. 3,2,1.. und es fallen immer wieder die selben Worte: „Nein, Chantal/Jeremy-Pascal… das Kind möchte nicht teilen, nimm doch einfach dein eigenes Spielzeug!“ Ist euch überhaupt mal aufgefallen, wie oft an einem ganz normalen Sandkastentag das Wort „teilen“ fällt? Man könnte daraus ein Trinkspiel machen #nachmirdieginflut. 

Es folgen die fünf Wege der Verzweiflung mit denen Eltern das eigene Kind dazu bewegen wollen mit anderen zu teilen:

  1. Bitte: „Schatz, bitte teile dein Spielzeug mit den anderen.“ Antwort: „Nein!“
  2. Vernunft: „Wenn du dein Spielzeug abgibst, bekommst du auch von anderen Kindern etwas.“ Antwort: „Nein!“
  3. Bestechung: „Wenn du teilst, bekommst du später ein Eis.“ – Kluge Kinder geben an dieser Stelle auf. Kinder, die später die ganze Weltherrschaft erlangen wollen, können hier nun wieder lachen. Antwort: „Nein!“ Es folgt das strengere Programm:
  4. Drohung: „Wenn du nicht teilst, gibt es Ärger.“ – „Ist mir doch egal.“
  5. Gewalt: Eltern nehmen verzweifelt einfach das Spielzeug und geben es dem anderen Kind.

Warum wollen Kinder nicht teilen

Das Gefühl von wirklichem Besitz müssen Kinder erst lernen – also wie es ist etwas ganz für sich zu haben, bevor sie fähig sind es mit anderen zu teilen. Sobald sie das Gefühl vom Besitz einer Sache erlangt haben, werden sie ganz natürlich, frei und spontan von selbst teilen. Man kennt diese Menschen, die ihr Leben lang alles nur für andere geben und sich selbst völlig vernachlässigen oder das andere Extrem, bei dem sich Menschen bis ins hohe Alter weigern zu teilen. Das mag daran liegen, dass sie nie ihre eigene Identität und Selbstwertgefühl erfahren haben und nicht wissen, was es heißt, frei von äußerem Druck zu sein. Sich selbst zu gehören und frei zu bestimmen ohne jemandem etwas schuldig zu sein. Kindern beim Wachsen zu helfen bedeutet auch, geduldig zu sein, sodass sie das Gefühl von Besitz erlangen können. (Buch Quelle*)

Was kann ich tun, wenn mein Kind nicht teilen möchte

Zum einen gilt es sich vom Druck zu befreien. Die Meinung anderer Eltern sollte einem egal sein, auch wenn dies schwer fällt. Eltern neigen dazu ihre Machtposition auszunutzen, sobald sie der Meinung sind, vor anderen ein gutes Bild abgeben zu müssen. Schenkt eurem Kind die Freiheit mit dem eigenen Spielzeug, ohne Einfluss von anderen, allein spielen zu können. Sie sollen ihre Erfahrung mit ihren Gegenständen ausgiebig genießen. Sofern es zu einer Konfliksituation kommt, lenkt die Aufmerksamkeit des anderen Kindes auf einen interessanten Gegenstand in der Umgebung, sodass euer Kind entspannt weiterspielen kann. Dies kann in unserem Sandkasten-Beispiel eine krabbelnde Ameise oder interessantes Blatt im Sandkasten sein. Viel effektiver ist es in einem ruhigen Moment alleine mit dem Kind zu sprechen, wenn die Beziehung gut und kein emotionaler Druck vorhanden ist. Am besten gelingt dies beim ruhigen Spielen zu Hause bei dem sich Eltern und Kind Spielsachen aufteilen und zeigen, wie man auf diese Weise gemeinsam noch mehr Spaß haben kann. Und der wirkungsvollste Weg, die Werte des Gebens zu lehren, ist natürlich mit gutem Beispiel voran zu gehen und das Kind an der Freude am Teilen teilhaben zu lassen. Erinnert eure Kinder immer dann, wenn sie etwas von jemand anderem bekommen, wie schön es doch ist, dass sie nun damit spielen dürfen. Macht ihnen die Freude bewusst, so dass sie sich beim nächsten Mal vielleicht daran erinnern und auch anderen eine Freude bereiten möchten.

Welche Erfahrung habt ihr mit dem Teilen eurer Kinder gemacht?

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